Freier Journalist - Berlin - Rüdiger Voßberg | Hommingberger-Gepardenforelle | Der Fisch ist im Netz

Rüdiger Voßberg - Freier Journalist aus Berlin
bringt aktuelle und archivierte Artikel,
seinen Blick durch den LOMO-Sucher
sowie LINKS zur Presse für die Ungeduldigen

[ Home | Wissenschaft | Reiseberichte | Kultur | Multimedia | Lokales | Lomografien ]
[ Schlagzeile | Snooker-WM 2008 | Presse-LinksImpressum ]

Redaktion: Multimedia

Die Hommingberger Gepardenforelle zappelt im chaotischen NetzFreier Journalist - Berlin - Rüdiger Voßberg | Hommingberger-Gepardenforelle

Die Herausforderung für Chaosforscher besteht darin, eine Ordnung in der scheinbaren Unordnung zu entdecken. Zum Beispiel im tropfenden Wasserhahn. Ist dieser nur wenig geöffnet, tropft er regelmäßig. Wird er weiter geöffnet, kommt irgendwann eine Stelle, an der das System chaotisch tropft. Die einzelnen Tropfen durchdringen sich, fallen ineinander, behindern sich gegenseitig. So erklärt sich der Laie vielleicht auch das Zustandekommen von Suchergebnissen bei Google und Co. Die Fachleute wollten es in diesem Jahr aber genauer wissen.

Darum zapften die Redakteure der Computerzeitschrift c't und mit ihnen zahlreiche Suchmaschinenoptimierer die Wasserhähne von Google, Yahoo, MSN und Seekport an. Mit dem Begriff “Hommingberger Gepardenforelle” sollte der geheime Algorithmus zum Erwerb des ersten Platzes im Suchergebnis ausgehöhlt werden. Aus einem einzelnen Tropfen zu Beginn des Suchspiels Mitte April 2005 wurde ein reißender Strom von aktuell knapp 3,4 Millionen Treffern bei Krösus Google. Yahoo liefert derer 700.000, Seekport immerhin noch 127.000, obwohl die eigentlich gar nicht mitspielen wollten. MSN hat lediglich 86.000 Seiten im Angebot. Kleine Fische, also.

Jetzt wurde der Fang eingeholt und analysiert. And the winner is? Nicht wirklich! Als Fazit wird dem Publikum magere Kost serviert: Der Wettbewerb zeige, dass Benutzer von Suchmaschinen die Ergebnisse von Google und Co. stets mit einer gewissen Skepsis betrachten sollen. Ach nee. Auf den ersten Plätzen tummeln sich häufig nicht die aus Nutzersicht besten und informativsten Sites, sondern diejenigen, deren Webmaster den meisten Aufwand für die Optimierung betrieben haben. Ach so; Platz eins hat dann wohl immer den meisten Aufwand investiert oder wie?

Wer nun nach dem großen Fischzug auch reichlich Beute für seine eigenen Optimierungsmaßnahmen erwartet hat, sieht sich enttäuscht. Die Ranglisten ergeben kein klares Bild, und die Ergebnisse von MSN geben selbst den Profis Rätsel auf. Es sei völlig schleierhaft, schreiben sie, warum sich eine Site unter den Top Ten befindet, die von gerade einmal 25 anderen Websites verlinkt wird. Fragen Sie doch MSN, die wissen es auch nicht. Und das Google-Ranking wurde ebensowenig entzaubert. Im Gegenteil. Als ein wichtiges Kriterium für das Ranking bei Google wurde zwar der Page Rank entlarvt, der ist aber nicht immer für eine gute Position zu haben. Offenbar werde er von anderen Faktoren “überstimmt”, orakeln die Redakteure, und bei einigen Sites dürfte ein On-The-Page-Faktor ausschlaggebend gewesen sein.

Welcher, wird leider nicht genannt. Schade auch.Bei chaotischen Systemen kann niemals das Verhalten des gesamten Systems genau berechnet werden - aber es finden sich immer wiederkehrende Muster, sagen die Chaosforscher.

Ein Fisch als Köder: Hommingberger Gepardenforelle

Berlin, 13. Juni 2005 – Die Jagd nach einem Fisch, den es gar nicht gibt: die Hommingberger Gepardenforelle. Seit Mitte April schwimmt diese fiktive Spezies, ausgesetzt von den Redakteuren der Computerzeitschrift c't, im trüben WWW-Bassin. Und in wenigen Wochen hat sich diese erfolgreiche Schöpfung bereits millionenfach vermehrt. Suchmaschinenoptimierer wetteifern mit diesem erfundenen Begriff um die Poleposition am Haken von Google, Yahoo, MSN und Seekport.

Der Fischzug soll einen Einblick in die "Rankingmechanismen der Suchdienste und aktuelle Trends der Optimierung - legitime wie unerwünschte - ermöglichen". Man will der Ordnung des Datenstroms in den verschiedenen Suchmaschinen auf die Schliche kommen. Und zwar mit einem Abbild des Kunstwortes Nigritude Ultramarine, dass sich zwei findige US-Marketingfirmen vor etwas mehr als einem Jahr ausgedacht hatten. Aus der Not geboren sozusagen, denn Google hatte es durch eine Veränderung der Suchalgorithmen zeitweilig geschafft, zahlreiche Marketingfirmen aus den Top-Positionen der Suchlisten zu eliminieren.

Der Begriff der Hommingberger Gepardenforelle wurde gewählt, um "keinen Flurschaden anzurichten", begründen die Initiatoren die Namensgebung für ihr virtuelles Wesen. Weder gibt es einen Ort Hommingberg noch wirklich die Gepardenforelle. Die Suchmaschinen konnten also bis dato für diesen Begriff auch keine Treffer liefern. Der Wettbewerb soll keine unbeteiligten Sites aus den Indizes drängen.

Am 15. Mai wurde der frische Fang zum ersten Mal seziert. In den Netzen von Google zappeln demnach "Sites mit großem Bekanntheitsgrad und langer Lebensdauer, zum Beispiel die Wikipedia". Drei weitere der Top-5-Domains sind Google seit 2001 oder länger bekannt; für die c't-Redakteure ein weiteres Indiz, dass Google "alte Sites bevorzugt". Microsofts Datenfischer MSN legt nach dieser Analyse beim Ranking ähnliche Kriterien an wie Google. So spielt auch dort die Link- und Domain-Popularität eine große Rolle. "Alle fünf Top-Ergebnisse sind mindestens 3 Jahre alt und haben mehr als 1000 Backlinks", konstatieren die Datenpathologen aus Hannover.

Yahoo scheint der Verlinkung einen wesentlich geringen Stellenwert einzuräumen. Die beiden Erstplatzierten, pixelbarbecue.ch und phlow.net, haben jeweils nur einige Dutzend Backlinks. Die erste Site hatte am Stichtag eine Keyword-Dichte von mehr als 30 Prozent, was andere Suchmaschinen eindeutig als Spam klassifizieren. Die Betreiber der deutschen Suchmaschine Seekport haben eine Erklärung veröffentlicht, dass sie am Wettbewerb unter Vorbehalt teilnehmen. Eigentlich seien ja alle Seiten, die über eine nicht existierende Forelle berichten, als Spam zu bezeichnen. Deswegen ist im Seekport-Pool wohl auch am wenigsten zu finden. Am 15. Dezember um 10 Uhr werden die Angeln wieder eingeholt. Na denn, Petri Heil!

oben    

© 1996-2016

SEO Berlin