Öko-Leuchte aus Brandenburg | Freier Journalist - Berlin - Rüdiger Voßberg

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Redaktion: Wissenschaft

Straßenbeleuchtung als Todesfalle
Ökolampe: Technische Neuheit aus Brandenburg: Lampe unten - Licht oben

Der nächtliche Lichtsmog in den Straßen ist für ein ernstes wenn auch wenig bekanntes ökologisches Problem verantwortlich: Diese künstlichen Lichtquellen werden zu Todesfallen für Nachtfalter und anderen nachtaktiven Insekten.

Ihr genetisch fixiertes Steuerungssystem richtet sich nach den natürlichen Lichtquellen. Die Kunstlicht zieht sie unwiderstehlich an. Einmal im Bann der Straßenlaternen gibt es kaum noch ein Entrinnen. Verbrennungen an Beinen, Flügeln oder den Fühlern peinigen die erschöpften Tiere, bis sie schließlich verhungern. Die leichte Beute lockt zusätzlich andere Freßfeinde an.

Fast drei Viertel der zirka 1.000 Nachtfalterarten in Deutschland seien stark vom Aussterben bedroht, berichtet Jochen Köhler aus dem niedersächsischen Hitzacker, Insektenexperte beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND). 75 Arten seien in Niedersachsen bereits ausgestorben oder verschollen, und in den übrigen Bundesländern sehe es ähnlich schlecht aus. „Gerade im Siedlungsbereich muss künstlichen Lichtquellen als Verursacher des Artensterbens ein hoher Stellenwert zugeschrieben werden”, sagt Köhler, auch wenn die Schadenseinflüsse ortsabhängig verschieden und vielfältig seien.

Die Konstruktion einer neuen Straßenleuchte aus dem westbrandenburgischen Lenzen soll die umweltfreundliche Alternative zu den todbringenden Laternen bieten. Chefentwickler Uwe Braun: Das Leuchtgehäuse sei so abgedichtet, dass Insekten nicht ins Innere gelangen können und das Gehäuse nun sauber bleibe. In dem abgestrahlten Licht werde der für nachtaktive Insekten anziehend wirkende Wellenlängenbereich 340 bis 430 Nanometer weitestgehend ausgeblendet, und der Abstrahlwinkel des Lichtes sei so gerichtet, dass sich Insekten nur schwer daran orientieren können.

Der Clou der Leuchte liegt aber im Mastfuß: Dort ist die gesamte Elektronik und die Lampe untergebracht, was die Wartung erheblich vereinfacht und verbilligt. Über ein gut drei Meter langes Prismenrohr im Mast wird das Licht durch Totalreflexion nach oben auf einen Reflektor im Leuchtenkopf transportiert. Die Wärme der Lampe baue sich statisch über die Länge des Rohres ab, betont Braun. Die Temperatur des Leuchtgehäuses liege deshalb nur fünf Grad Celsius über der Umgebungstemperatur. Eine Verbrennungsgefahr für die Insekten sei dadurch ausgeschlossen. Statt 150 Watt einer herkömmlichen Straßenleuchte benötigt die Lenzen-Variante auch nur 75 Watt. Die ausgefeilte Spiegeltechnik erlaube es Ihnen, Lampen niedrigerer Wattzahl einzusetzen, sagt Braun. „Und die Lichtausbeute bei der Prismentechnik ist höher als bei Standardleuchten.” Und die Referenzstrecke in Lenzen wird zeigen, ob Insekten darauffliegen.

Erschienen am 12.06.1997 in der Berliner Morgenpost

(update 05.05.2000)


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