Littering oder Hau wech die Scheiße | Freier Journalist - Berlin - Rüdiger Voßberg

Rüdiger Voßberg - Freier Journalist aus Berlin
bringt aktuelle und archivierte Artikel,
seinen Blick durch den LOMO-Sucher
sowie LINKS zur Presse für die Ungeduldigen

[ Home | Wissenschaft | Reiseberichte | Kultur | Multimedia | Lokales | Lomografien ]
[ Schlagzeile | Snooker-WM 2008 | Presse-LinksImpressum ]

Redaktion: Wissenschaft

Aus den Augen - aus dem Sinn
Littering: Australische Studie über das „Müll-Wegwerf-Verhalten“

Etwa ein Viertel aller Großstadtbewohner in Australien wirft den Müll achtlos weg oder lässt ihn einfach liegen. Zu diesem Ergebnis ist jetzt die umfangreiche Studie „Understanding Littering Behaviour in Australia“ gekommen, die im Auftrage der australischen Getränkeindustrie erstellt worden ist. Insgesamt knapp 9000 Städter hat das Team um Rob Curnow von den Community Change Consultants (CCC) in den Fußgängerzonen, Parks, öffentlichen Gebäuden und Straßen der acht australischen Metropolen beobachtet sowie anschließend befragt.

Curnows Detektive fahndeten nach dem Verbleib von gewöhnlichen Abfall wie Lebensmittelverpackungen, Papierschnipseln, Getränkedosen und -flaschen, Bonbonpapier oder Zigarettenresten. „Wir erkannten unterschiedliche Verhaltensweisen“, berichtet Curnow, „und die Ausreden waren dementsprechend phantasievoll“. Drei auffällige Täterprofile kristallisierten sich heraus: Der „Stopfer“ verbirgt seinen Unrat in Mauerspalten oder anderen Hohlräumen jeder Art, nur eben nicht in einer Mülltonne. Der „Beerdiger“ versteckt seine anrüchigen Objekte unter Blättern oder im Sand; und der „Korbwerfer“ lässt - nach einem erfolglosen Versuch in den Mülleimer zu treffen - den Gegenstand dann auf dem Boden liegen.

Die Wissenschaftler konnten kein geschlechtsspezifisches Umweltverhalten ermitteln: Frauen und Männer benehmen sich demnach gleich. Studenten und Arbeitslose hatten höhere „Verschmutzungsraten“ als der Durchschnitt. Die Spezies Raucher benutzt den Mülleimer genau so oft beziehungsweise genau so selten wie der Nichtraucher. Mit einer ureigensten Ausnahme: den Zigarettenstummeln. „Das ist ein chronisches Übel unserer Gesellschaft“, klagt Curnow. „Littering“ - im deutschen Wortschatz ohne geeigneten Begriff - sei weniger das Resultat von Umweltignoranz als vielmehr von Verantwortungslosigkeit, resümiert Curnow: „Es gibt keinen typischen Verschmutzer.“

Die Direktorin des Institutes für Psychologie der FernUniversität Hagen, Lenelis Kruse, schätzt, dass so eine Untersuchung in jeder deutschen Großstadt zu einem ähnlichen Ergebnis führen würde. Zur Eindämmung des Problems müsse man Anreize schaffen, sagt sie. Zum Beispiel mehr Abfallbehälter aufstellen, die dann auch regelmäßig geleert werden. „Ein Pfandsystem für all den Müll ist nicht zu etablieren“, konstatiert Prof. Kruse. Allenfalls bei Großveranstaltungen - wie Open-Air-Konzerten oder der Love-Parade - könnten solche Maßnahmen erfolgreich sein. „One world one future“?

Links:
(update 10.05.2003)

"Müll-Ergebnisse" aus Florida
"Was tun für saubere Städte und Landschaften?" Littering.de


oben        

© 1996-2016

SEO Berlin