Handystrahlung: Handystrahlen am Ohr | Elektrosmog | Freier Journalist - Berlin - Rüdiger Voßberg

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Redaktion: Wissenschaft

Au Backe, mein Handy strahlt!
Handystrahlen: Bislang keine gesicherten Studien, ob Mobilfunkstrahlung Krebs erzeugt

Forscher streiten noch, ob Mobilfunkanlagen und Handys mit ihren elektromagnetischen Strahlungen (Handystrahlen) die Gesundheit gefährden. Beweise dafür gibt es bislang nicht. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine neue Studie des Forschungszentrums für Elektromagnetische Umweltverträglichkeit der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen. Weder experimentell noch epidemiologisch konnten Mediziner Gesundheitsschäden durch elektromagnetische Felder des Mobilfunks nachweisen, heißt es. Der Elektrosmog wabert.

Und Handys strahlen fleißig mit. Das eine mehr, das andere weniger. Bei Handys im D-Netz dürfen Ausgangsleistungen bis zu zwei Watt Spitzenleistung nicht überschritten werden, im E-Netz bis zu einem Watt. Damit soll verhindert werden, dass sich einzelne Teilbereiche des Körpergewebes "überwärmen". Denn Hochfrequente (HF-) Felder werden vom menschlichen Körper absorbiert und führen zur Erwärmung von Körpergewebe (Mikrowellen-Effekt). Experimente haben gezeigt, dass gesundheitliche Wirkungen von HF-Strahlung auftreten können, wenn sich einzelne Körperbereiche oder das gesamte Körpergewebe um mehr als ein Grad Celsius erwärmen.

Wissenschaftler sprechen dabei von thermischen Effekten. Bei Überschreiten dieses Schwellenwertes über einen längeren Zeitraum können Stoffwechsel und Nervensystem gestört werden. Unter extremen Bedingungen kann sich beim Auge grauer Star entwickeln. Um eben solche Schäden zu verhindern, wurde die so genannte spezifische Absorptionsrate - kurz SAR-Wert - eingeführt. Sie begrenzt die auf den Körper wirkende Strahlungsleistung auf maximal zwei Watt pro Kilogramm Kopfgewebe.

"Die Thermischen Effekte haben wir durch die gesetzlichen Grenzwerte im Griff", konstatiert Hartmut Voigt vom kritischen Ecolog-Institut in Hannover. Allerdings gebe es auch wissenschaftliche Hinweise auf Gesundheitsstörungen. Schlaflosigkeit, Nervosität sowie Indizien, die auf ein erhöhtes Krebsrisiko hindeuten. "Die lassen sich aber nicht mit der Wärmewirkung erklären", sagt Voigt. Genausowenig wie bestimmte Effekte, die auf der molekularen Ebene beobachtet werden: Zum Beispiel, dass die Fehlerrate bei der Zellteilung zunimmt, oder das sich plötzlich unkontrolliertes Wachstum von Zellen entwickelt. "Somit gibt es einige Hinweise auf biologische Effekte, die mit Gesundheitsproblemen oder der gar der Entstehung von Krebs in Verbindung gebracht werden können", resümiert Voigt.

Das Problem: Praktisch jeder dieser Studien steht eine Untersuchung gegenüber, die das genaue Gegenteil behauptet. "Weil bislang kein Wirkungsmechanismus bekannt ist, der genau beschreibt, wie die Strahlen den Körper schädigen können", erklärt Voigt. Einige Wissenschaftler glauben: Handys bringen lebenswichtige Steuerungsimpulse im Gehirn durcheinander. Professor Johannes Goeke von der Fachhochschule Köln geht von einer "stimulierenden Wirkung der HF-Strahlung aus". Der gesunde Mensch reagiere weniger sensibel darauf, aber etwaige Schäden eines kranken oder geschwächten Organismus könnten sich dadurch verstärken, sagt Goeke. Darum fordern die Verbraucherverbände, dass Mobilfunkanlagen grundsätzlich nicht in der Nachbarschaft von Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern und anderen sensiblen Einrichtungen errichtet werden.

Mit der Einführung des Universalen Mobilen Telekommunikationssystems – kurz UMTS – wird sich die Zahl an Mobilfunkstationen drastisch erhöhen: mehr Antennen braucht das Land: Zu den bisher 33.000 Basisstationen kommen schätzungsweise noch einmal 50.000 hinzu. Davon werden besonders die Ballungsräume betroffen sein. Die von UMTS ausgehende Strahlung ist aber für sich genommen weniger belastend für den menschlichen Organismus als die bisher übliche GSM-Technik. Kritiker waren jedoch vor dem Parallelbetrieb von D- und E-Netzen und den neuen UMTS-Netzen. Im Summe bedeutet das noch mehr Strahlungsbeitrag zum Phänomen Elektrosmog.

Darum: Wer beim Handytelefonat auf Nummer Sicher gehen will, hört auch auf den Rat des Bundesamtes für Strahlenschutz. Nämlich: In Situationen, in denen genauso gut mit einem Festnetz wie mit einem Handy telefoniert werden kann, sollte das Festnetz genutzt werden. Telefonate per Handys kurz halten. Nicht benötigte Handys können ausgeschaltet werden. Abstand halten: Wenn beim mobilen Telefonieren Kopfhörer benutzt werden, verringert sich wegen des größeren Abstandes zwischen Kopf und Antenne der SAR-Wert - und damit die Bestrahlung deutlich. Ähnliches gilt beim Versenden von Short-Messages, den SMS.

Möglichst nicht bei schlechtem Empfang telefonieren: Die Leistung, mit der das Handy sendet, richtet sich nach der Güte der Verbindung zur nächsten Basisstation. Autokarosserien verschlechtern zum Beispiel die Verbindung für Handys ohne Außenantenne, die Handys senden deshalb mit einer höheren Leistung. SAR-Werte der Handys beachten: Handys verwenden, bei denen der Kopf möglichst geringen Feldern ausgesetzt ist.


Erschienen u.a. am 08.05.2002 in der
Märkischen Allgemeinen Zeitung


Elektrosmog im Internet:

www.emf-risiko.de/projekte/pro_emf/gutachten.html
www.ssk.de/
www.heise.de/ct/00/14/218/
www.quarks.de/elektrosmog/

Links:
(update 18.06.2015)

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