Asteroiden - Bedrohung aus dem Kosmos | Freier Journalist - Berlin - Rüdiger Voßberg

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Redaktion: Wissenschaft

Tödliche Begegnung
Asteroiden: Steinschlag aus dem Universum bedroht das Leben auf der Erde

„ALERT!” Die roten Buchstaben blinken hektisch auf dem Bildschirm. Darunter streben zwölf weiße Punkte auf einen großen gelben Fleck zu. Die Welt hält den Atem an, denn ein Asteroid rast direkt auf die Erde zu. Mit einem Dutzend Kernwaffenraketen torpediert die globale militärische Allianz den todbringenden Körper. Wenig später verschmelzen jene weißen Punkte und der gelbe Fleck zu einem gleißenden Blitz. Jubel braust auf; Wissenschaftler und Strategen liegen sich in den Armen. Der Asteroid ist zerstört, die Welt gerettet und das Szenario „Made in Hollywood”. Dennoch, die Bedrohung ist gewiss.

der aktive journalist: Asteroiden - Bedrohung aus dem Kosmos

„Es gibt eine durch viele Hinweise belegte, reale Bedrohung”, schreibt der amerikanische Asteroidenforscher John S. Lewis seinem Buch Bomben aus dem All / Die kosmische Bedrohung. Weiter führt Lewis darin aus: „Wir haben keinen Grund das Einschlagrisiko zu ignorieren. Nachdem wir begriffen haben, dass diese Bedrohung existiert, und nachdem wir begonnen haben, die nötigen Informationen zu sammeln, die wir brauchen, um vernünftig mit der Bedrohung fertigzuwerden, gibt es keinen Grund mehr, den Kopf in den Sand zu stecken.”

Kosmische Bruchstücke sind Kometen, Asteroide und Meteorite. Letztere bestehen aus Eisen-Nickel-Legierungen, Silikatmineralien oder Stein-Eisen-Verbindungen. Asteroide ziehen ihre exzentrischen Bahnen zwischen Jupiter und Mars. Bei einer nahen Begegnung mit anderen Planeten des Sonnensystems können Asteroiden durch gravitative Effekte auf eine für die Erde gefährliche Bahn gelenkt werden. Schätzungsweise 2.000 „Near Earth Asteriods” (NEA) mit einem Durchmesser größer als einem Kilometer kreuzen die Erdbahn. „Etwa 10 Prozent davon sind bisher entdeckt worden”, sagt David Morrison, Director of Space bei der NASA. Sie seien ausreichend groß, um als „global killer” das Leben auf der Erde nachhaltig zu vernichten. Die Statistik behauptet, dass ein solcher weltweiter Killer mit Milliarden Todesopfern alle 70.000 bis eine Million Jahre zuschlägt.

Weitaus größer ist die Zahl der Asteroiden mit einem Durchmesser von kleiner 100 Metern: Nach Ansicht der Astronomen kreisen nahezu 600.000 jener Objekte um die Sonne. Ihre Masse genügt, um beim Zusammenstoß mit der Erde gewaltige lokale Zerstörungen anzurichten. Am 30. Juni 1908 schlug ein etwa 25 Meter großer kosmischer Körper im sibirischen Tunguska Tal ein. Die Explosion verkohlte den Wald auf einer Fläche von mindestens 2.000 Quadratkilometern. Rund ein Viertel des Gesamtrisikos werde durch Asteroiden mit Megatonnen-Sprengkraft - also etwa 25 Meter Durchmesser - verursacht, glaubt der Wissenschaftler Lewis. Etwa einmal pro Jahrhundert findet eine solche Megatonnen-Explosionen in der Luft über einem bewohnten Landgebiet statt.

Angesichts dieser fatalen und globalen Schäden, die eine kosmische Karambolage zweifellos verursachen kann, unterbreiten Wissenschaftler diverse Vorschläge, wie sich die Menschheit gegen eine tödliche Bedrohung wehren kann. Das am Massachusetts Institute of Technology (MIT) entworfene Projekt Ikarus hat gezeigt, dass ein erzwungenes Auseinanderbrechen von großen Asteroiden mittels Kernwaffen mehr Schaden auf der Erde anrichten würde als der Einschlag des kompletten Asteroiden. Die Trümmer bombardieren eine viel größere Fläche als der einzelne Körper. Die Sprengung eines die Erde bedrohenden Körpers sei also keine wünschenswerte Alternative, schreibt Lewis in seinem jüngsten Werk, sofern nicht die meisten oder alle Bruchstücke so umgelenkt werden können, dass sie die Erde nicht treffen. Aber niemand vermag das nach einer künstlichen Explosion voraus zu sagen. Bleibt also nur die Ablenkung oder das Abbremsen des Asteroiden.

Ein typischer erdnaher Asteroid hat eine Umlaufzeit von etwa vier Jahren. In seinem Beispiel nimmt Lewis eine Vorwarnzeit für die Kollision von 50 Jahren an. Dann müsse die Geschwindigkeit des Asteroiden lediglich um ein Dreißigmillionstel gebremst werden, um den Aufprall zu vermeiden, rechnet er vor. Das Unternehmen müsse sich aus einem militärischen Sprengkopf sowie einem interplanetaren Transportsystem zusammensetzen. Die Hitze der Explosion soll Teile der Asteroidenoberfläche verdampfen lassen. Der Dampf verlässt den Himmelskörper und übt dabei einen Stoß auf den Asteroiden aus, der so in seiner Bahngeschwindigkeit abgebremst wird. Aber ein solches Verteidigungsprojekt zu planen und zu bauen, geschieht nicht von heut auf morgen, sondern benötigt viele Jahre intensiver Entwicklung.

„Und wenn nicht mehrere Jahre zwischen Entdeckung eines bedrohlichen Asteroidens und dem vorhersehbaren Zusammenprall liegen”, resümiert NASA-Spezialist Morrison, „bleibt als einziger Schutz, die Menschen aus dem potentiellen Einschlagsgebiet zu evakuieren”.

Erschienen u.a. am 04.12.1997 in der Berliner Morgenpost

noch'n Text zu Armageddon

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(update 18.10.2010)

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