Snooker WM 2008 - Das Halbfinale | Debakel für Hendry | Carter ist Vizeweltmeister

Rüdiger Voßberg - Freier Journalist aus Berlin
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Snooker WM 2008 | 2. Runde - Carter ist Vizeweltmeister
Carter: Größeres im Sinn

03.05.2008
Carter ist Vize-Weltmeister
Perry muss packen

What a feeling! Ali Carter hat das Nerven aufreibende Halbfinale gegen Joe Perry knapp mit 17-15 gewonnen. Nun trifft er im WM-Finale auf seinen ehemaligen Trainingspartner Ronnie O'Sullivan. "Ich bin total geschafft", sagte Carter nach seinem Sieg. Aber er hat nur wenige Stunden Schlaf, um sich und seine Nerven für das Endspiel zu regenerieren. "Ich denke, Ronnie geht es auch nicht besser", spekulierte der zweite Finalist.

Im entscheidenden siegreichen Frame schien der letzte rote Ball größer als der Tascheneinlauf zu sein. Denn weder Perry und noch Carter konnten sie in mehreren Versuchen ins Loch zwingen. Irgendwann fiel die Rote dann doch: für Carter. Das Tor zum Finale stand offen.

"Dieser Sieg bedeutet mir alles", erklärte der 28-Jährige. Er hat den Tod seiner beiden Großmütter, die vor einigen Wochen kurz aufeinander verstarben, noch zu verkraften. "Sie hätten mein Spiel heute Abend sicherlich gern gesehen", sagte Carter. "Aber dafür begleiteten mich nun zwei Engel durch diese Woche von Sheffield!"

Das zweite Halbfinale war an Spannung kaum zu überbieten. Joe Perry lag nach 16 Frames mit 7-9 im Hintertreffen. Heute gewann er dann die ersten vier Frames des Tages und lag zwischenzeitlich mit zwei Frames vorn. Die Abend-Session begann beim Stande von 12-12. Ein 57er Break brachte Perry in Front. Carter glich mit einem 63er aus und holte sich die Führung wieder mit einem 114-8 zurück. Dann schlichen sich in Carters Spiel plötzlich Fehler ein, die Perry nutzen konnte. Unter Mithilfe eines haarsträubenden Flukes sowie einem anschließenden 62er Break lautete der Zwischenstand 14-13 für Perry.

Das Spiel wog hin und her, bis zum 15 beide. Die letzten beiden Frames gingen jedoch an Carter. Finale! "Einer muss ja verlieren"; kommentierte Perry lakonisch, "unglücklicherweise war ich es!"

Ali Carter 17-15 Joe Perry
1-116 (54, 62), 29-61, 0-77 (68), 53-13, 97-38 (70), 8-86 (84), 2-72 (72), 68-25, 62-35, 64-57 (51, 57), 99-14 (56), 106-1 (101), 66-1 (64), 59-64 (Carter 59), 0-127 (127), 128-0 (128), 8-93, 0-86 (57), 1-68 (58), 15-72, 83-0 (68), 1-94 (82), 56-55, 68-0, 1-95 (57), 114-8 (63), 50-66 (50, 62), 73-1, 4-111 (110), 77-0 (77), 75-24, 59-46


Snooker WM 2008 | 2. Runde - Debakel für Hendry
O'Sullivan: Braucht keine vierte Session

02.05.2008
Debakel für Hendry
Ronnie O'Sullivan steht im Endspiel von Sheffield

Der siebenmalige Weltmeister Stephen Hendry hatte am heutigen Abend alle Snookergötter gegen sich vereint. Sie gönnten seinem Gegner Ronnie O'Sullivan gleich zwei Flukes im vorletzten Frame: Zunächst springt ein roter Ball wieder aus der Ecke, läuft danach die kurze Bande entlang zur gegenüberliegenden Tasche, verschanzt sich kurzzeitig hinter der Gelben, die direkt vor dem Loch liegt und fällt dann im Schatten der Gelben in die Tasche. O'Sullivan schüttelt den Kopf.

Hendry, der schon auf dem Sprung zum Tisch war, erstarrt mit einem bitteren Grinsen. Später im Spiel fällt ein roter Ball erst nach einer Karambolage mit der Blauen. O'Sullivan kann glücklich fortsetzen. Im letzten Frame zeigten beide Spieler Nerven. Zwei "100%-ige" Chancen konnte der Engländer zunächst nicht lochen und ruhte seinen Kopf sekundenlang verzweifelt auf seinem Queue aus.

Eigentlich hatte sich der Schotte Hendry schon seinen siebten Frame grandios erkämpft; er musste "nur" noch die Schwarze lochen. Aber der Lauf des letzten Balls endete wenige Millimeter vor der Tasche. Hendry blickte versteinert in die Ecke, konnte es wohl nicht fassen, was das Schicksal heute Abend für ihn vorbereitet hatte. Schließlich geht er auf O'Sullivan zu. Shakehands und Aufgabe. Es ist ein tragischer Schlusspunkt einer fast perfekten Lehrstunde, die "The Rocket" O'Sullivan an den letzten beiden Tagen auf das grüne Tuch von Sheffield zauberte.

Dabei begann alles so perfekt für den Schotten: 4-1 führte der 39-jährige Hendry in der ersten Session. Aber dann gewann ein entfesselter O'Sullivan ein Dutzend Frames in Folge. Wie ein Sturm zog er über Hendry hinweg. "Das 4-4 nach der ersten Session fühlte sich für mich wie eine 7-1 Führung an", berichtete O'Sullivan. Und in der zweiten Session konnte Hendry nicht einen einzigen Frame gewinnen. 13-4 für O'Sullivan. Whitewash für Hendry. Diese Demütigung hat der Schotte in den 20 Jahren seiner Profikarriere in Sheffield noch nie ertragen müssen. "Ronnies Safety-Spiel war brutal", sagte Hendry anerkennend.

Diese Demontage eines Snooker-Denkmals erinnert stark an die 17-4 Schmach des WM-Halbfinales von 2004, die ihm damals ein furios aufspielender O'Sullivan erteilte. "Ronnie ist momentan der beste Spieler der Welt", erklärte Hendry selbstlos. Niemand könne ihm in dieser Form das Wasser reichen.

Die ersten beiden Frames der dritten Session am heutigen Abend konnte Hendry noch gewinnen. Hoffnung? Irgendwie nicht; denn der Schotte hätte die längste Aufholjagd in der Geschichte des Crucibles spielen müssen. Hätte. So steht O'Sullivan zum dritten Mal im Endspiel einer Snooker-Weltmeisterschaft. Er ist der Favorit - egal wie sein Gegner heissen wird!

Ronnie O'Sullivan 17-6 Stephen Hendry
0-140 (140), 41-65, 29-96 (60), 60-34, 64-72 (64 O'Sullivan), 122-32 (102), 76-1, 68-34, 101-1 (93), 72-61, 68-34, 101-1 (93), 72-61 (53 Hendry), 85-35 (57), 87-0 (87), 133-0 (133), 135-0 (135), 93-16 (85), 76-53 (70), 126-0 (126), 0-85 (85), 19-100 (54), 75-0 (68), 123-0 (123), 71-0 (56), 68-63 (59 O'Sullivan)


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