Snooker WM 2005 - Finale | Shaun Murphy ist Snooker-Weltmeister | Freier Journalist - Berlin - Rüdiger Voßberg

Rüdiger Voßberg - Freier Journalist aus Berlin
bringt aktuelle und archivierte Artikel,
seinen Blick durch den LOMO-Sucher
sowie LINKS zur Presse für die Ungeduldigen

[ Home | Wissenschaft | Reiseberichte | Kultur | Multimedia | Lokales | Lomografien ]
[ Schlagzeile | Snooker-WM 2008 | Presse-LinksImpressum ]

Ergebnisse Snooker-WM 2005 >>>
Runde 1 >>>1/8-Finale >>>1/4 Finale >>>

1/2 Finale >>>

Finale

03.05.2005
Das heilige Tuch
Die Briten haben einen neuen König. Er heißt Shaun Murphy I. - The King of Snooker. Um diesen Thron haben in den vergangenen 17 Turniertagen 32 Snookerprofis auf der Bühne des altehrwürdigen Crucible Theatre in Sheffield ihre eschenen Queues gekreuzt. Klicker klacker statt Macbeth.
Shaun Murphy ist Snooker-Weltmeister 2005

Schüchtern hält Shaun Murphy den Siegerpokal in die Kameras. Er ist der neue Snookerweltmeister. In einem dramatischen Finale besiegte der 22-jährige Lokalmatador gestern Nacht seinen walisischen Kontrahenten Matthew Stevens knapp mit 18:16. Die Besessenen unter den fünf Millionen Snookerspielern im Vereinigten Königreich werden ihn vergöttern; alle anderen verneigen sich zumindest vor Hochachtung. Das bizarre Spiel mit den 22 bunten Bällen ist im Inselreich fast so populär wie der Fußball. Und was für den Kickerprofi der heilige Rasen von Wembley war, ist für die Snookerelite das heilige Tuch von Sheffield. Vor zwei Jahren hämmerten die Abrissbirnen den Fußballmythos von London in Schutt und Asche, die Snookerstätte in Sheffield mit tragendem Shakespeareflair hingegen soll nun gar ausgebaut werden.

Das Crucible platzt aus allen Nähten, klagen die Veranstalter und Spieler schon seit Jahren. Die Tribüne sei mit nur knapp 1.000 Sitzplätzen viel zu klein, und auch die engen Räume hinter der Bühne genügten nicht mehr den Ansprüchen eines hoch dotierten Snookerprofis. Der junge Weltmeister Murphy kassierte für seine fünf Siege während des offiziellen Turniers umgerechnet etwa 366.000 Euro; sein Vize Stevens immerhin noch gut die Hälfte. Insgesamt wurden rund 1,6 Millionen Euro an die Akteure verteilt. Einen besonderen Bonus heimste sich Ex-Weltmeister Mark Williams für sein Maximum Break ein: Für jeden Punkt gab es Tausend Pfund, weil er in einer Aufnahme die maximale Punktzahl von 147 Punkte erspielte, ergo 147.000 Britische Pfund oder 215.000 Euro.

"Na klar, denke ich auch an das Preisgeld", sagte Murphy. Und er wünscht sich nichts sehnlicheres als einen Mercedes Benz . Vom Restgeld wird die Hochzeitsreise mit seiner Braut Claire bezahlt. Übrigens, Ex-Weltmeister Ronnie O'Sullivan fährt auch auf Mercedes ab und will sich demnächst mehr Zeit dafür nehmen. "Ich werde nächstes Jahr wohl nicht spielen", konstatierte Ronnie O'Sullivan nach seiner Niederlage im Viertelfinale gegen Peter Ebdon. O'Sullivan im Sabbatjahr. Es sei keine spontane und unüberlegte Eingebung, sondern er habe schon länger mit dem Gedanken gespielt, den Queue aus der Hand zu legen. Für immer? Ein Jahr Minimum und zu 90 Prozent sicher. O'Sullivans Mentor Ray Reardon bestätigte im BBC Radio zwar die Auszeit seines Schützlings, glaubt aber, dass er nicht länger als sechs Monate dem Snookertisch fernbleiben wird.

Vielleicht um ein zweites Buch zu schreiben; im Erstlingswerk "Ronnie" hat sich der 29-jährige Engländer seinen Kummer auf 241 Seiten von der Seele geschrieben: Vater Ron wegen Mordes zu 18 Jahren verurteilt, Mutter Maria wegen Steuerhinterziehung ein Jahr im Knast und auch selbst allzu oft von der Rolle gewesen. Genügend Stoff, um die Tabloids jener Zeit zu füllen. Und heute? "Snooker bereitet mir nicht mehr so viel Freude wie früher", erklärte der entthronte Titelverteidiger. Er könne sich sogar vorstellen, ganz mit dem Profisnooker zu brechen. "Und wenn ich mich von der Szene verabschiede, bleibt für alle, die mich in der Vergangenheit unterstützt haben, ein Platz in meinem Herzen". Das wird eng. Also: Goodbye Ronnie? Hello Shaun! Es lebe der neue König. Und der hat bereits heute Geschichte geschrieben.

Denn nach 26 Jahren stand erstmals wieder ein Qualifikant im Finale der Snooker WM von Sheffield. Vor der letzten Session beim Halbfinalsieg gegen Peter Ebdon war Murphy so nervös, dass er weder frühstückte noch zu Mittag aß. Mit leerem Magen spielt es sich wohl leichter. Nur noch drei andere Spieler schafften so ein "Wunder von Sheffield" und sich als Qualifikant bis ins Finale gestoßen: Cliff Thorburn im Jahr 1977, Perry Mans 1978 und Terry Griffiths 1979. Griffiths wurde Weltmeister. Murphy tat es ihm Montag Nacht gleich.

Mit einer Quote von 150:1 notierten die Buchmacher den Namen Shaun Murphy zu Beginn des Turniers auf ihre Wettzettel. Doch er hat die Fachwelt mit seiner Queuekunst überrascht und das Publikum mit riskantem Spiel verzückt. Auf seinem Weg ins Finale besiegte Murphy drei Ex-Weltmeister: John Higgins, Peter Ebdon und Gentleman Steve Davis. Davis, heute 47 Jahre alt, spielte in seiner Karriere 26mal bei Weltmeisterschaften und holte sechs Titel, den ersten 1981. Da war Murphy noch gar nicht geboren. Im Alter von neun Jahren rannte der kleine Shaun noch die Straße hinunter, um unbedingt ein Autogramm seines Idols zu ergattern. Mit zwölf spielte Murphy schon bei Schauturnieren gegen die Großen seiner Zeit, und im Alter von 15 Jahren stieg er selbst in die Profiszene ein.

Aber Murphy ist noch namenlos, was ihm fehlt ist ein kleidender Spitzname. Vorschlag: 'Magic Murphy', 'Mighty Murphy', 'Marvellous Murphy' oder 'Shaun, the Sheerer from Sheffield'? Schließlich hat er den 'Welsh Dragon' Matthew Stevens ziemlich balbiert. "Ich habe es satt, gut zu spielen und trotzdem das Halbfinale oder das Endspiel zu verlieren", konstatierte der 27-jährige Waliser kämpferisch nach seinem deutlichen Sieg gegen Andy Hicks in der ersten Runde. Im Jahr 2000 spielte Stevens sein letztes Finale gegen Mark Williams. Und verlor. Knapp mit 16:18. Dabei hatte er schon mit 10:6 und 13:7 geführt. Eine ähnliche Geschichte ist gestern Abend geschrieben worden. Auf dieser Bühne stand Jimmy ‘The Whirlwind' White sechsmal im Finale, er hat sechsmal verloren, zuletzt 1994. Am 2. Mai feierte White seinen 43. Geburtstag. Und den lang ersehnten Traum vom ersten Weltmeisterschaftstitel zerstörte Matthew Stevens in der zweiten Runde von Sheffield auf dem heiligen Tuch des Crucible Theatre.

erschienen u.a. auf Spiegel-Online

LINKS:
Über diesen christlichen Chatroom lernte Shaun Murphy seine Braut Claire kennen
http://www.fusion101.co.uk/

The Club of Pro's
http://www.worldsnooker.com/

Antworten zu den World Snooker Championships
http://www.answers.com/topic/world-snooker-championship/


02.05.2005
Nachwuchs im Snookerolymp - Murphy on top
Shaun Murphy hat es allen gezeigt. In einem dramatischen Finale besiegte der 22-jährige Lokalmatador heute Nacht seinen walisischen Kontrahenten Matthew Stevens knapp mit 18:16. Murphy ist der neue Weltmeister im Snooker. Einfach so.

"Dieser Sieg wird mein Leben verändern", prophezeite Shaun Murphy seinem Publikum im Crucible Theatre nach dem Spiel. In der offiziellen Weltrangliste wird Murphy jetzt als Nummer 21 notiert und macht einen Sprung von 27 Plätzen. "Es war mein erster Finalsieg überhaupt", konstatierte Murphy. Und dann gleich die Weltmeisterschaft. Vize-Weltmeister Matthew Stevens zog auch gleich den Hut und sagte dem neuen Titelträger eine "phantastische Zukunft" voraus.

Murphy trägt noch einen Titel: Der Spieler, der die meisten Century Breaks spielte, nämlich zehn und drei davon im Finale. Sein höchstes Break dieser Weltmeisterschaft spielte er mit 138 Punkten. "Gestern war ich doch sehr nervös", strahlte Murphy in die Kameras. Heute spürte er, dass es sein Tag werden würde.

Beim Stande von 16:16 hatte Stevens noch Vertrauen in sein Spiel, aber Murphy konterte mit exzellenten Breaks. "Ich bin enttäuscht über meine Leistungen von heute Nachmittag", erklärte der enttäuschte Verlierer. Am Abend habe er alles richtig gemacht; Murphy war einfach besser. Seine Finalniederlage von 2000 gegen Mark Williams habe er nicht im Kopf gehabt, sagte Stevens. "Ich war hierher gekommen, um zu gewinnen!" Auf ein nächstes Mal, Matt.


Berichte von der Snooker-WM 2007   
 mehr >>>
Berichte von der Snooker-WM 2006    mehr >>>

Ronnie O'Sullivan bei den Irish Masters 2004 mehr >>>

oben    

© 1996-2016

SEO Berlin