Delfine in Monkey Mia - Flipper zum Streicheln | Freier Journalist - Berlin - Rüdiger Voßberg

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Redaktion: Reiseberichte

Tanz der Delfine
Begegnung mit Flipper in Monkey Mia

Nach schier endlosen Kilometern auf dem „North West Coastal Highway erreichen wir mit der Abenddämmerung das „Overlander Roadhouse”. Von hier sind es „nur noch” 3.300 Kilometer bis Darwin im Northern Territory und schon 700 Kilometer bis Perth, von wo wir vor drei Tagen mit dem Campervan aufbrachen.

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Das Roadhouse ist eines dieser zahlreichen Pistenbistros mit dem unübertroffenen australischen Charme aus ungepflegten Bartstoppeln, fast food, Moskitos und Bierdosen. Das Fliegengitter in der Eingangstür ist schon arg ramponiert, und lästige Blutsauger haben ein leichtes, ihre behaarten Opfer anzufliegen. Ein Deckenventilator surrt leise im trägen Bemühen, die stickige Luft umzuschaufeln. Einschlägige Reiseführer erwähnen diese Orte als ideale Treffpunkte für Begegnungen mit den „typischen Australiern”.

Mein Blick schweift auf eine abgegriffene Menuekarte. „Here serves Nick!”, verrät ein verschwitztes T-shirt auf der Brust des Mannes, der vor mir steht. Die knappe Begrüßung beschränkt sich auf „G'day mate, what do you want?”, was soviel heißt wie „Hallo Kumpel, was willst Du?”. In Australien kommt man schnell zur Sache; darum bestelle ich auch ohne langes Zögern einen 'Hamburger The Lot'. - Typisch australisch. Nein, dass steht in keinem Reiseführer. Dieser 'Burger' hat nicht viel gemein mit seinem amerikanischen Verwandten, außer dem Brötchen vielleicht?! Jenes wird in zwei Hälften geschnitten und zusammen mit Speck, Zwiebeln, dem Hackfleisch sowie einem Spiegelei gebraten. Dann schichtet man alles aufeinander, ein paar Scheiben 'Rote Bete' dazu und fertig ist der 'Ozzy-Burger'. Viel Fingerfertigkeit, einen großen Mund und zahlreiche Servietten benötigt man zur Bewältigung des Gourmetstückes. Und da zeigt sich der wahre Tourist.

In stockfinsterer Nacht bei Neumond verlassen wir gesättigt das Roadhouse und fahren Richtung Denham. Denham liegt auf der 'Peron Peninsula', einer langestreckten Halbinsel in der 'Shark Bay', zu deutsch 'Haifischbucht'. Im Oktober 1616 kreuzte das Handelsschiff Den Endraght unter holländischer Flagge in den blauen Gewässern um den 26. Grad südlicher Breite. Ihr Kapitän 'Dirk Hartog' wird von Historikern als erster weißer Mensch genannt, der australischen Boden betrat. In den Jahrzehnten danach folgten ihm viele europäische Entdecker, deren Namen die heutigen Landkarten prägen.

Im Januar 1992 hat die Kulturorganisation der Vereinten Nationen (UNESCO) das Gebiet um die Shark Bay als Naturdenkmal mit auf ihre Liste des Welterbes der Menschheit genommen und damit unter besonderen Schutz gestellt. Seit Fertigstellung der neuen Asphaltstraße nach Denham ist es mit der sprichwörtlichen Abgeschiedenheit des westlichsten Ortes Australiens endgültig vorbei. Die knapp 500 Bewohner haben eine Touristeninvasion von jährlich fast 150.000 Besuchern zu ertragen! Und jeden Sommer wer den es mehr. Nach Monkey Mia, einer kleinen Siedlung 25 Kilometer nordöstlich von Denham, kommen die Touristenscharen nur wegen der Delfine. Schon seit 30 Jahren tauchen diese Meeressäugetiere in kleinen Gruppen regelmäßig an der Küste auf, um den Kontakt zum Menschen zu suchen.

Eigentlich sieht der Sandstrand ganz normal aus: Badetücher, spielende Kinder, der Duft von Sonnenschutzcremes. Plötzlich durchbricht ein lauter Schrei die Idylle: „Dad, the Dolphins are in!”, bedeutet ein kleiner Junge seinem Vater wild gestikulierend. Die Leute waten ins knietiefe Wasser, und die Delfine gleiten an ihnen vor über. Sind Delfine in der Bucht, ist auch ein Ranger des National Parks am Strand. Man darf die Tiere nicht auf dem Kopf am empfindlichen Nasenloch berühren! Streichelt man sie unter der Schnauze oder entlang des Bauches werden sie die Behandlung genießen. Manchmal erhebt ein Delfin seinen Kopf aus dem Wasser, um die Anwesenden anzugrinsen. Das permanente Lächeln und die kleinen Hautfalten um die Augen erwecken den trügerischen aber unwiderstehlichen Eindruck von beständiger Wärme und Humor. Es kommt auch schon einmal vor, dass Delfine lebende Fische ihren wartenden Fans anbieten. „You better take it!”, kommentiert der Ranger, „it's a present!”; und es wäre unhöflich, den Fisch nicht anzunehmen.

Wildlife in Monkey Mia

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Erschienen am 12.06.1992 im Trierischen Volksfreund
(update 21.03.2003)

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