Springende Krokodile in Australien | Freier Journalist - Berlin - Rüdiger Voßberg

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Redaktion: Reiseberichte

90 Jahre - 900 Kilogramm
Springende Krokodile im Norden von Australien

Hier oben trifft man sie, in Australiens Top End rund 300 Kilometer südöstlich von Darwin auf dem Wege zum Kakadu National Park: die springenden Krokodile. Einer von ihnen, mit 90 Jahren schon recht betagt, bringt es auf ein geschätztes Lebendgewicht von beträchtlichen 900 Kilogramm. „Maraca” - die Rassel - tauften die stolzen Flußbewohner des nördlichen Adelaide River ihr 5.30 Meter langes Reptil.

Springende Krokodile in Australien | Freier Journalist - Berlin - Rüdiger Voßberg„Come and see the jumping crocodiles!” (Komm und betrachte die springenden Krokodile) so wirbt ein buntes Straßenschild im überschwänglichen Plural! Wir sitzen auf dem Oberdeck der Adelaide River Queen und wollen der ungewöhnlichen Fütterung beiwohnen. Nur wenige Hundert Meter flussaufwärts vom Bootssteg entfernt erscheint das erste Salzwasserkrokodil (Leistenkrokodil). Es ist „Grandma”, und mit ihren dreieinhalb Metern Länge zählt sie zu den kleineren ihrer Art im Adelaide River. Auf einem 160 Kilometer langen Flussabschnitt zählte man bereits weit mehr als 1.500 Krokodile. Wir trafen auf ganze zehn Spezies. Nur etwa 1 Prozent des weiblichen Geleges überlebt, der größte Teil wird von Raubvögeln erbeutet oder von den Hochwasserfluten einfach weggeschwemmt.

Das Boot schaukelt weiter über bräunliche Wellen, kreuz und quer von einer Uferseite zur anderen flussaufwärts. Der Skipper erklärt über den Bordlautsprecher die vorüberziehende Landschaft und weist auf sehenswerte Besonderheiten ihrer Vielfalt hin. In einem der Baumwipfel hoch über unseren Köpfen späht majestätisch ein Weißkopfadler, eine vom Aussterben bedrohte Greifvogelart und nur sehr selten zu beobachten! Teleobjektive, japanischer Bauart kommen hier zum Einsatz.

Man führt uns an einen von Fledermäusen übervölkerten Bewuchs heran. Sofort beginnen sie mit ihrem jämmerlichen Geschrei. Tiere, die fliegen, müssen keine Vögel sein: „Flying Foxes”! Tagsüber hängen sie wie tot kopfüber in den Bäumen. Nachts schwärmen sie dann zu ihren Raubzügen aus. Mit einer Flügelspannweite von etwa 1,50 Meter gleiten sie durch die Lüfte. Es sind Vegetarier und haben mit blutrünstigen Vampiren überhaupt nichts gemein.

Schließlich erreichen wir die Stelle, für deren Erblicken wir immerhin 22 australische Dollar bezahlt haben. Dort wirft sich das mächtiges Krokodil in den Fluss und schwimmt mechanisch auf unser Boot zu. Nur das drohende Augenpaar ist zu sehen, der riesige Körper taucht fast bewegungslos unter der Wasseroberfläche. Das Reptil beäugt uns misstrauisch aus einer für uns sicheren Entfernung, obwohl es den Anblick von sensationslustigen Touristen gewohnt sein muss, die hier zweimal täglich aufwarten, um der ungewöhnlichen Fütterung beizuwohnen. Es dauerte mehr als drei Jahre, das Krokodil an diese Art der Extraspeisung zu gewöhnen. Mittlerweile tummeln sich schon vier derartige Krokodile um den Außenborder, in der Erwartung ihre Sprungkraft beweisen zu können!

Vom Oberdeck wird ein an einer Angelleine befestigter großer Fleischbrocken als Köder über seinen Kopf gehalten. Das Tier wird solange damit gereizt, bis es schließlich danach schnappt. In diesem Moment wird die Leine nach oben gezogen und versucht, das Krokodil zum Springen zu animieren. Es braucht eine Weile, bis die fast fünfeinhalb Meter lange Prähistorie mit einer Gischtfontäne aus dem Wasser schießt, sich in voller Größe aufrichtet, mit seinem riesigen Maul gierig nach dem Köder beißt und innerhalb Sekundenbruchteilen wieder im Fluss versinkt. Zunächst sprachlos beobachte ich das atemberaubende Schauspiel und vergesse den Auslöser meiner Kamera zu betätigen, aber ich sollte noch drei-, viermal die Gelegenheit besitzen, das Spektakel auf 19 DIN zu bannen. Nach der Speisung verzieht sich das Reptil an die Flußuferungen zur Siesta und träumt vielleicht schaudernd von verlederten, europäisierten Artgenossen.

Ein Krokodil auf dem Sprung

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Erschienen u.a. am 27.01.1994 im Schwarzwälder Boten

Links:
(update 28.02.2005)

"Bislang ältestes Ur-Krokodil in Australien entdeckt" mehr >>>

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