Mt. Egmont - ein Vulkan auf Neuseeland | Freier Journalist - Berlin - Rüdiger Voßberg

Rüdiger Voßberg - Freier Journalist aus Berlin
bringt aktuelle und archivierte Artikel,
seinen Blick durch den LOMO-Sucher
sowie LINKS zur Presse für die Ungeduldigen

[ Home | Wissenschaft | Reiseberichte | Kultur | Multimedia | Lokales | Lomografien ]
[ Schlagzeile | Snooker-WM 2008 | Presse-LinksImpressum ]

Redaktion: Reiseberichte

Kalter Feuerberg auf Neuseeland
Mount Taranaki: ein erloschener Vulkan auf der Nordinsel

In den vergangenen zwei Jahrhunderten war diese Inselgruppe am Rande des Globus' zwischen dem 33-ten und 46-ten Grad südlicher Breite das Ziel von Seefahrern, die als „Entdecker Neuer Welten” von europäischen Königshäusern auf die Meere geschickt wurden. Meist waren mit solchen Entdeckungen die spätere Besiedelung sowie deren wirtschaftliche Ausbeutung verknüpft.

Jener stetige Raubbau an der Natur bescherte der Nordinsel Neuseelands beispielsweise den Verlust von nahezu drei Viertel des natürlichen Waldbestandes. Ebenso haben exzessive Landwirtschaft sowie weiträumige Schafzucht das Erscheinungsbild der Fauna und Flora nachhaltig verändert! In dieser Situation Neuseeland als Paradies für Aussteiger zu bezeichnen, wäre mehr als zynisch. Trotzdem, in ausgedehnten National Parks ist man bestrebt, die Ursprünglichkeit des Landes zu erhalten.

Erloschener Feuerberg: Mt. Egmont, Neusseland

So führt mich mein Weg in den 'Egmont National Park' auf der Nordinsel. Wie so viele markante Wahrzeichen Neuseelands erhielt auch dieser Berg seinen Namen von James Cook. Der Seefahrer vermerkte für das Ereignis den 10. Januar 1770 und benannte ihn nach dem 'Earl of Egmont', einem Lord der königlichen Admiralität, der wahrscheinlich selbst nie den Vulkan zu Gesicht bekommen hatte?!

Im Jahre 1900 wurde schließlich ein zirka 35.000 Hektar großes Gebiet zu Fuße des erloschenen Feuerberges offiziell zum National Park erklärt. Mount Egmont, Vulkan von klassischer Gestalt ragt mit schneebedeckter Kuppe aus der Ebene empor und steht wahrlich wie ein Wächter über der Provinz Taranaki. Vom Gipfel, der sich in einer Höhe von 2518 m befindet, erstrecken sich die Abhänge fast kreisrund in einem Radius von sechs Kilometer bis hin zur steinigen Küste. Die Lava und vulkanische Asche bildeten in den aktiven Jahrhunderten den fruchtbaren Boden.

Die Maoris -'Ureinwohner Neuseelands'- nennen den Berg „Taranaki”. Und ihre Mythologie erzählt uns die Geschichte, 'dass Taranaki einst mit den anderen Bergen im Zentrum der Nordinsel gelebt hatte. Aber es entfachte sich ein heftiger Streit zwischen ihm und seinem Rivalen „Tongariro” um die Gunst einer Frau, „Pihanga”. Zwar existieren abweichende Versionen von dem Zwist, aber alle kommen zu dem Schluss, dass ein unterlegener Taranaki nach Westen flüchtete und auf seinem Weg den „Wanganui River” schuf. Als er schließlich die Küste erreicht hatte, wandte er sich nördlich, wo er heute noch zu finden ist. In Ruhe und Abgeschiedenheit starrt der Berg auf seine verlorene Liebe und seinen verhassten Rivalen.

Geologen vermuten, dass sich erste vulkanische Aktivitäten vor 50.000 bis 70.000 Jahren ereignet hatten und dass die Bergspitze durch einen gigantischen Ausbruch vor zirka 35.000 Jahren zerstört wurde. Massive Lavaströme ergossen sich über das Land und formten den heutigen Verlauf der Küstenregion. Seit mehr als 200 Jahren ist der Vulkan nun inaktiv, aber niemand kann genau vorhersagen, ob er nicht eines Tages wieder ausbrechen wird! Der Berg ist Geburtsstätte für über dreißig Flüsse und Bäche. Die Natur kreierte einige ungewöhnliche Besonderheiten, denn nach etwa einhundert verschiedenen Pflanzenarten, die eigentlich auf neuseeländischem Fels und Boden farbenprächtig gedeihen, sucht der versierte Botaniker hier vergebens. Auch die sonst weitverbreitete Buche schlägt im Park keine Wurzeln. Mt. Egmont hat sich seine eigene Vegetation geschaffen!

Der Nationalpark gilt als „Geheimtip” unter Neuseelands Attraktionen. Ein ausgedehntes Netz von 'walking-tracks' mit einer geschätzten Gesamtlänge von 320 Quadratkilometer umspannt den Berg und bietet dem Wanderer jeden Schwierigkeitsgrad. Populärster Ausgangspunkt für Stunden- oder Tageswanderungen ist 'Dawson Falls' im Osten. Der imposante Anblick des Berges täuscht über die Unberechenbarkeit des Geländes hinweg und seit Beginn dieses Jahrzehnts fielen 37 Menschen ihrem Leichtsinn zum Opfer. Gewarnt sei auch vor dem äußerst wechselhaften Wetter in den oberen Lagen. Da kann strahlender Sonnenschein binnen weniger Minuten einer dichten Nebelbank mit niedrigeren Temperaturen weichen. Schutz finden verirrte Wanderer in den 14 Hütten rund um den Berg.

In den Wintermonaten pilgern Tausende Ski-Alpinisten ins Mekka der Bretterfreuden zu den „Manganui Ski Fields”. Diese Hänge gelten als besonders anspruchsvoll und verlangen eine Portion Mut und reichlich Können. Höhepunkt der Saison ist ein Tiefschneeerlebnis auf den Gipfelzügen des Vulkans. In den schneefreien Monaten des Jahres ist Mt. Egmont aus allen Himmelsrichtungen zu erwandern und bietet so eine schier unerschöpfliche Vielfalt an Naturschönheiten, die es auch für nachfolgende Generationen zu erhalten gilt.

Mount Taranaki

Mt. Egmont - ein Vulkan auf Neuseeland | Freier Journalist - Berlin - Rüdiger VoßbergMt. Egmont (Taranaki) - ein Vulkan auf NeuseelandMt. Egmont (Taranaki) - ein Vulkan auf NeuseelandMt. Egmont (Taranaki) - ein Vulkan auf Neuseeland


Erschienen am 17.04.1992 im Trierischen Volksfreund

Links:

- Anzeige - Oztralia - Begegnung mit dem 5. Kontinent  EUR 9.90

Freier Journalist: Oztralia - Begegnung mit dem 5. Kontinent


oben         

© 1996-2016

SEO Berlin