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Redaktion: Multimedia

Auf Streife im Internet
Die Webcops des Bundeskriminalamtes patrouillieren auf den Festplatten und Datenautobahnen des WWW

Erfahrene Streifenbeamte eines Großstadtreviers kennen ihr Revier wie die eigene Westentasche. Im Funkwagen oder zu Fuß kontrollieren sie die Straßen, Hinterhöfe oder Parkanlagen. Mitunter erkennen die Uniformierten ihre Pappenheimer gar schon von hinten an der Kleidung oder am Gang. Solche Indizien benötigt die Internetpolizei des Bundeskriminalamtes (BKA) in Wiesbaden nicht, patrouilliert sie doch in den Hinterhöfen und Kellertreppen des World Wide Webs. Ihre Tatorte sind Fileserver, Tauschbörsen, Newsgroups oder Chaträume.

„Der Schwerpunkt der Recherchen betrifft Straftaten im Bereich der Kinderpornografie“, erklärt BKA-Pressesprecher Dietmar Müller. Im Berichtsjahr 2006 erfasste das BKA bundesweit knapp 6.000 Fälle von Pornografie im Internet, deren Aufklärungsquote bei knapp 80 Prozent lag. Bereits 1999 wurde eine zentrale Stelle beim BKA eingerichtet, die nur Straftaten in Datennetzen verfolgt. Die „Zentralstelle für anlassunabhängige Recherche in Datennetzen“ - kurz ZaRD - umfasst die Suche nach strafbaren Inhalten im Internet und in Online-Diensten, einschließlich der Weiterverfolgung von dabei festgestellten, strafrechtlich relevanten Sachverhalten mit Beweissicherung bis zur Feststellung der Verantwortlichen. Jeder Internet-Nutzer hinterlässt seine Datenspuren im Netz, die letztlich wie ein digitaler Fingerabdruck seine/ihre Identität preisgeben können.

Wie vor wenigen Wochen in Bad Homburg, Düsseldorf, Köln, Frankfurt und Elmshorn geschehen: Mit der Festnahme von 10 Personen und der Durchsuchung von neun Wohn- und Geschäftsräumen gelang dem BKA ein Erfolg gegen eine international agierende Phishing-Gruppierung. Die Phisher spielten ihren Opfern Spionageprogramme auf den PC, um deren Identitätsdaten auszuspähen. Der Datenverkehr zu den Phishing-Fallen wurde von den BKA-Beamten über 18 Monate observiert. Die forensische Analyse der Bits & Bytes ergab schließlich, dass die sensiblen Daten über die Landesgrenzen hinaus abgesaugt wurden. „In solchen Fällen werden die ausländischen Behörden via Interpol verständigt“, sagt Pressesprecher Müller. Die Mitglieder der jetzt aufgeflogenen Bande stammen aus Deutschland, der Russischen Föderation sowie der Ukraine.

Die globalisierte Kriminalität kennt keine digitalen Grenzen oder Sperrstunden. So müssen auch die Online-Fahnder bei ihren Streifzügen über die vernetzten Festplatten auf viele Ermittlungstricks zurückgreifen, um im Kampf gegen Datenklau oder Pornografie so viel Fälle wie möglich aufzudecken. Dabei spielen Kommissar Zufall, Hinweise aus der Szene oder das Einschleusen von Zivilfahndern in geschlossene Chatrooms eine nicht unerhebliche Rolle. Kriminalistische Erfolge benötigen ein Netzwerk von Informanten.

Deshalb haben jetzt die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia (FSM), der Verband der deutschen Internetwirtschaft eco und jugendschutz.net mit dem Bundeskriminalamt und der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) eine Kooperationsvereinbarung getroffen. Sie soll die seit Jahren bestehende Zusammenarbeit bei der Weiterleitung, Bearbeitung und Verfolgung von Hinweisen auf kinderpornografische Inhalte im Internet durch eine gegenseitige Information aller Beteiligten noch effektiver gestalten.

In der Vergangenheit konnten durch den Informationsaustausch bereits Erfolge bei der Bekämpfung von Kinderpornografie erzielt werden. So wurde 2005 ein 29-jähriger Tatverdächtiger vom Landgericht Magdeburg wegen bandenmäßiger Verbreitung von Kinderpornos im Internet zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 6 Monaten verurteilt. Auslöser der Ermittlungen war eine Anzeige des eco-Verbandes beim BKA.

In Deutschland können neben der Anzeigenerstattung bei jeder Polizeidienststelle auch strafbare, jugendgefährdende und entwicklungsbeeinträchtigende Inhalte im Internet bei Internet-Beschwerdestellen gemeldet werden.

Erschienen in der Saarbrücker Zeitung am 07.12.2007

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