Telearbeit - Zukunft des modernen Büros | Freier Journalist - Berlin - Rüdiger Voßberg

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Redaktion: Multimedia

Heute bleibt der Bildschirm dunkel!
„Telearbeit“ - Trendsetter für die neue Form des modernen Büros

Moderne Informations- und Kommunikationstechnik verändern die Welt des Büros radikaler als je zuvor. Das Dienstzimmer mit scheppernder Kugelkopfschreibmaschine und abgewetzten Radiergummi gibt es wohl noch in verstaubten Amtsstuben. Längst haben flinke Computer mit ausgefeilten Textverarbeitungsprogammen Einzug in die Diktierstuben gehalten. Aber auch diese Form von „klassischem Büro“ wird es zukünftig nicht mehr geben. Das behaupten jedenfalls zahlreiche Zukunftsprognosen. Und eine Form von Zukunft ist die Telearbeit.

Für Bibiana Dowerg, 34 und Mutter von drei Kindern beginnt ein typischer Tag - wie für beinahe jede Hausfrau - mit Familienpflichten. Ab halb neun oder auch erst am Nachmittag berät Frau Dowerg in ihrem Büro per Video-Konferenz Professoren an der 30 Kilometer entfernten Ruhr-Universität-Bochum in allen Fragen zur europäischen Forschungsförderung. Internet-Recherche oder die Pflege der eigenen Homepage gehören auch zu ihren Aufgaben als Telearbeiterin. Telearbeiter seien einem enormen psychischen Druck ausgesetzt, urteilt die Juristin, da man eher zu hohe Anforderungen an sich selbst stelle. „Die fehlende Anerkennung der eigenen Arbeit durch Kollegen benötigt schon eine gehörige Portion Selbstdisziplin“, sagt sie. Klarer Vorteil: die Flexibilität in der Arbeitsgestaltung: „Da kann der Bildschirm schon einmal dunkel bleiben.“

Der Arbeitstag von Frau Dowerg liest sich in der Fachliteratur wesentlich lebloser: „Telearbeit bezeichnet die wohnortnahe Arbeit unabhängig vom Firmenstandort an mindestens einem Arbeitstag pro Woche, wobei die Arbeit über räumliche Entfernungen hinweg unter primärer Nutzung von Informations- und Kommunikationsinstrumenten erfolgt und eine Telekommunikationsverbindung zum Arbeitgeber bzw. Auftraggeber zur Übertragung von Arbeitsergebnissen genutzt wird.“

Das Fraunhofer Institut Arbeitswirtschaft- und Organisation (IAO) in Stuttgart ermittelte insgesamt 135.000 bundesdeutsche Unternehmen und Behörden, die heute (Stand Juni 1998) Telearbeit anbieten. Danach machen die zirka 500.000 mobilen Telearbeiter den Großteil des Arbeitsspektrums aus; an zweiter Stelle kommen die etwa 350.000 alternierenden Telearbeiter. Mit knapp 22.000 Beschäftigte sind die Telearbeiter, die ausschließlich zu Hause arbeiten, weitabgefallen. An letzter Stelle liegen die rund 3.500 Telearbeiter, die in Nachbarschaftsbüros arbeiten. Diese Zahlen zeigen, so die Verfasser der Studie, dass Telearbeit schon jetzt eine nicht zu unterschätzende Rolle in den Betrieben spiele. Zukünftig werde sich diese Rolle noch verstärken. Laut Berechnungen des IAO werden weitere 225.00 Betriebe in den nächsten Jahren Telearbeit anbieten.

„Auch Klein- und mittelständische Betriebe können ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit durch den flexibleren Einsatz von Telearbeit und Telekooperation stärken“, meint Martin Karsten Koordinator vom Forschungsinstitut Region und Umwelt (FORUM) an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Oldenburg liegt im Weser - Ems - Raum und gehört somit zu den strukturschwachen Regionen der Bundesrepublik Deutschland. „Probleme des Strukturwandels in Krisenbranchen fordern neue Impulse zur Belebung der Wirtschaftsdynamik“, sagt Karsten. Der Ausbau von Telearbeit sei eine Antwort auf diese Herausforderung.

Formen der Telearbeit

  • Telearbeit, die ausschließlich zu Hause in der Wohnung erbracht wird.
  • Alternierende Telearbeit, die teils zu Hause und teils in der Betriebsstätte erledigt wird.
  • Telearbeit in Satelliten - oder Nachbarschaftsbüros.
  • Telearbeit am Standort des Kunden oder Kooperanten
  • ortsunabhängige Telearbeit an einem mobilen Arbeitsplatz; dann besucht zum Beispiel der Steuerberater den Chemiekonzern, und speist die Firmendaten über das Intranet in seine Kanzleicomputer


Infos im Internet:

www.office21.de

(update 08.11.2002)

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