MP3 - das klingende Kürzel | Freier Journalist - Berlin - Rüdiger Voßberg

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Redaktion: Multimedia

MP3 macht die Musik
Die Anwender jubeln - die Plattenindustrie jammert

Ein harmloses Kürzel mischt die Musikszene kräftig auf: Es heißt MP3; und das steht für Motion Picture Expert Group Audio Layer 3. Hinter diesem langatmigen Begriff verbirgt sich ein ausgeklügeltes Kompressionsverfahren, das eine große Datei - zum Beispiel Musik - mit wenig Qualitätsverlust in eine um 90 Prozent kleinere Ausgabe zwängt. Entwickelt wurde dieser mathematische Algorithmus schon von der Geburt des World Wide Webs Ende der 80er Jahre vom Fraunhofer-Institut in Zusammenarbeit mit der Universität Erlangen. Heute sind die Musikstücke in den praktischen Häppchen der Fraß für die Musikpiraten im Internet. Es wimmelt nur so von illegalen Digikopien im Cyberspace. Vorausgesetzt: gewusst wo.

Denn Musik ist das geistige Eigentum des Künstlers, und Raubkopien sind illegal. Eben Diebstahl. Hingegen ist es legal, eigene Werke in diesem Format zu produzieren und sie über das Internet dem Publikum zu präsentieren. Die Chance für einen Straßenmusiker ohne Plattenvertrag: das eigene Label auf der Festplatte. Selbst so erfolgreiche Musiker wie David Bowie oder George Michael nutzen längst den Vertrieb über das Internet. Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) verwaltet treuhänderisch die Urheberrechte von Komponisten und Textdichtern. Abgaben an die GEMA, die dann nach Abzug von Verwaltungskosten an die Künstler oder Rechteinhaber ausgezahlt werden, leisten zum Beispiel die Radio- und Fernsehsender. Aber auch Otto Normalverbraucher/in, der/sie eine Audiokassette, LP oder eine CD kauft, entrichtet an der Kasse eine GEMA-Gebühr. Meistens unbewusst.

Die selben Regeln gelten auch für MP3-Recorder und deren Speicherchips: Bis zu fünf Mark pro Gerät werden an die GEMA abgeführt. Für die auswechselbaren Smart-Cards werden dann nochmals 12 Pfennig je Stunde Spieldauer fällig. “Leider aber sperren sich noch einige Hersteller bzw. Importeure von MP3-Geräten und Smart Cards gegen ihre Auskunfts- und Vergütungspflichten”, bemängelt Michael Sandt von der Gema. Dass eine GEMA-Gebühr für MP3-taugliche Geräte dem ganzen Trubel den Wind aus den Segeln nehmen wird, glaubt Smudo, Sänger bei den “Fantastischen Vier”, allerdings nicht. “Zum einen, weil diese Pauschalgebühr nicht genau auf den Künstler umgerechnet werden kann”, so der Musiker. Und zum anderen seien die Erträge aus Radio- oder TV-Sendungen konkurrenzlos höher. “Keine GEMA-Gebühr kann dem Kopien-Wildwuchs Herr werden”, resümiert Smudo.

Vervielfältigungen zum Eigengebrauch und für einen “engen Freundeskreis” werden allerdings geduldet . Wer aber mit den Eigenpressungen auf Schulhöfen oder in Universitätshörsälen handelt, macht sich strafbar. Bei Verstoß gegen das Urheberrecht droht Paragraf 108 mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. Gewerbsmäßige unerlaubte Verwertung können gar zu einem Aufenthalt hinter Gittern von bis zu fünf Jahren führen. Trotz der eindeutigen Strafen treibt die Rechtslage dennoch für einen Laien seltsame Blüten. Dazu Konstantin Malakas, Rechtsanwalt mit dem Schwerpunkt EDV- und Telekommunikationsrecht: “Auch wer auf seiner eigenen Website nur Links auf fremde Seiten setzt, die illegal MP3-Dateien enthalten, macht sich strafbar. Wer jedoch rechtswidrig bereitgestellte Musikdateien herunterlädt und nur selbst verwendet, verstößt nach derzeit geltendem Recht nicht gegen Urheber- oder Leistungsschutzrechte.” Also im Zweifel: die heiße Scheibe nur für die eigenen Ohren brennen.

Ausschlaggebend für den Erfolg von MP3 war, dass es Anwendungen für alle Plattformen gibt. Egal, welchen Rechner man besitzt oder auf welchem Betriebssystem der Nutzer fährt, Software gibt es mittlerweile in Hülle und Fülle und in der Regel gar umsonst. Auch das Musikangebot im MP3-Format lässt mittlerweile keine Wünsche mehr unbefriedigt, ganz gleich ob man nun auf Blues und Rock oder Techno abfährt. Und die MP3-Player lassen sich nicht so leicht erschüttern, denn sie kommen ohne bewegliche Teile aus. Weder Bandsalat noch andere mechanische Störungen hemmen den Musikgenuss. Selbst Sony hat - trotz der vielen illegalen Musikkopien - eine MP3-Version ihres legendären Walkmans vorgestellt. Etwa auf die Größe einer Zigarettenschachtel bringen es diese tragbaren Digiplayer.

Schon für unter 200 Mark sind solche Winzlinge zu haben. Die Zeitschrift “Internetmagazin” kürte in ihrer Ausgabe 12/99 den “jazPiper” zum Sieger unter zehn verschiedenen Geräten. Mit einem Kaufpreis von knapp 350 Mark eher im Mittelfeld angesiedelt, überzeugte das Gerät die Tester durch einen “Spitzenklang”. Manko dabei: es wird keine MP3-Software angeboten und das Handbuch gibts nur in Englisch. 32 Megabyte Arbeitsspeicher sollten die Geräte schon haben, denn schließlich spielt darin die Musik.

Erschienen in der Märkischen Allgemeinen Zeitung am 05.01.2000

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(update 03.01.2015)

 

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