Zocken im Onlinecasino | Freier Journalist - Berlin - Rüdiger Voßberg

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Zocken via Web
Onlinecasinos sind keine Computerspiele

Alles auf rot gesetzt. Die Kugel rollt, rot kommt. Zum vierten Mal in Folge. Stille Freude und ein warmes Entzücken erfüllt den Spieler vor seinem Monitor. Er lässt die Chips auf dem Tisch dort platziert, wo sie gerade gewonnen haben: noch einmal auf rot gesetzt. Und wieder rollt die Kugel, rollt und springt wie magisch auf die schwarze Zahl. Das Geld ist futsch. 40 teure Dollar. Real, per Mausklick in einem virtuellen Onlinecasino.

Freier Journalist - Berlin - Rüdiger Voßberg | Kein Computerspiel: Zocken mit Blackjack und Rouelette in OnlinecasinoEin Onlinecasino bietet alles, was ein Spielerherz begehrt: Kartenspiele wie Blackjack oder Baccarat, Automatensimulatoren, Würfeleien und natürlich Roulette. Das programmierte Ambiente reicht dabei vom recht schnöden Pacman-Outfit bis zum vollbusigen Croupier-Avatar, einem optischen Verwandten von Lara Croft. Das Auge spielt mit und vor allem das männliche Sinnesorgan. Auf den bunten Webseiten blinkt und glitzert der Gewinn auf großen Werbebannern. Sie schreien: "Bonus! Bonus!". 20, 40 oder gar 100 Dollar extra erhält, wer eintritt, mitspielt und das ist notwendig dafür, selber Geld einzahlt. Per Kreditkarte versteht sich, denn der Online-Spieler zahlt mit seinem guten Namen. Und das in mehr als 1.800 Spielorten in Web. So hat es jüngst der US-amerikanische Spielerverband Internet Gaming Commission (IGC) gezählt.

In mehr als 30 Ländern, darunter Urlaubsziele wie Antigua, Trinidad, Venezuela oder Australien werden diese animierten Spielplätze betrieben. Die Australier sind Pioniere im Online-Zocken: sie betreiben das erste behördlich überwachte Casino im Internet. Aber nicht jeder Casino-Besitzer ist seriös: Die IGC warnt zur Zeit vor mehr als 125 schwarzen Schafen, die weder lizenziert noch kontrolliert operieren. Sie zocken ihre Kunden regelrecht ab. Wohl nicht zuletzt deshalb hat das Online-Zocken bei Nicht-Spielern einen schlechten Ruf. "Im Ausland sind die Sicherheitsstandards eher dürftig", erklärt dazu der Experte für Online-Recht von der Universität Münster Prof. Thomas Hoeren. Zwar sei auch ein ausländischer Online-Dienst an das deutsche Strafrecht gebunden, aber eine Vollstreckung sei in der Praxis fast unmöglich. "Wer sich auf unseriöse Angebote einlässt, ist selber Schuld!", konstatiert Hoeren. Online-Casinos wurden in Deutschland bislang nicht lizensiert.

Der Eintritt in die Spielhalle beginnt mit dem Herunterladen der Software. Sie ist durchweg für Windows Betriebssysteme geschaffen, Apple-Nutzer müssen meistens draußen bleiben. Plattform unabhängige Java-Applikation sind noch selten im Betrieb. 70 Megabyte kann so ein aufwendig gestaltetes Programm schon umfassen, zum Beispiel "DrHo.com". Dort wird der reale Kugellauf in einem richtigen Kessel via Web-Cam übertragen. Casinos in der Standardkategorie arbeiten hingegen mit mathematischen Zufallsgeneratoren. Dann ermittelt der Server gleichzeitig für alle Spieler die Augenzahl der Würfel, den Lauf der Roulettekugel oder die Spielkartenwerte. Bis zum unerwarteten Computerabsturz oder einem fingierten Serverausfall.

"Ausfälle sind bei den großen Anbietern unproblematisch", urteilt Online-Casino-Tester Dirk Schröter aus Hamburg. Auf seiner Webseite "paroli.de" dokumentiert er regelmäßig seine Streifzüge durch die digitalen Spielhöllen: "Bei meinen Casino-Tests habe ich auch bewusst die Internet-Verbindung getrennt", erklärt Schröter. Mit dem Ergebnis, dass bei seriösen Betreibern der zuletzt riskierte Einsatz noch vorhanden war, oder dass das verpasste Spielergebnis zumindest glaubhaft nachvollzogen werden konnte. Er hat aber auch negative Erfahrungen, gemacht, bei dem nach einem Rechnerabsturz das Geld verloren war. Der Spielerverband Online Players Association, rät, Finger weg vom Spieltisch, wenn Programme folgender Anbieter zum Einsatz kommen: MGM Software, Gaming Software Systems, Unified Gaming Software, Handa Lopez, Clockmedia, iglobalmedia oder Innoco.

"Im Online-Casino ist man ein gläserner Spieler", sagt Schröter. Spielergebnisse werden protokolliert, und die Betreiber können so Kundenprofile erstellen. "Es gibt keine Möglichkeit völlig anonym zu spielen", resümiert er. Sein Rat an die potenzielle Zockergemeinde: "Mit sehr geringen Einsätzen spielen und sich mit Tagesgewinnen von 50 Mark zufrieden geben". Denn Online-Casinos sind keine Computerspiele, sondern reale Verlustveranstaltungen für die meisten Spieler. Spätestens dann heißt es: Rien ne va plus!

Erschienen u.a. in der Märkischen Allgemeinen Zeitung am 28.11.2001


Literatur-Tipp:
"Gewinnen mit Wahrscheinlichkeit" - Statistik für Glücksritter
Monka/Tiede/Voß, 271 Seiten, rororo-Sachbuch 9,90 Euro

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(update 03.07.2015)

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