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Vorsicht Online-Bewerbung
Viele Unternehmen bieten mittlerweile die Möglichkeit an, sich direkt online zu bewerben. Ausreichend Briefporto braucht man für eine Bewerbung via Web zwar nicht, aber auch die digitale Mappe sollte den Personalchef positiv beeindrucken.

Oft führt der Klick in das virtuelle Personalbüro über den Link "Jobs & Karriere". So auch auf den Internet-Seiten der Deutschen Bahn AG. Zunächst muss der Bewerber jedoch ein Passwort für den persönlichen Zugang zum Online Fragebogen beantragen. Dieses wird ihm dann im Gegenzug per Mail übermittelt. Nach der ersten Anmeldung verlangt der Server jetzt die Eingabe einer Sicherheitsfrage, zum Beispiel „wie heißt mein Hamster?“, die der Bewerber nun samt Antwort formuliert. Sonst bleibt der nächste Schritt zu den allgemeinen Hinweisen verwehrt.

Dort weist die Bahn ihre Interessenten darauf hin, dass für den Dateianhang maximal 4 MB erlaubt sind. Als Formate kommen nur zip-, doc-, pdf-, jpg- oder rtf-Dateien in Frage. Solche Teilnahmebedingungen sollten immer streng beachtet werden! Für die anschließende Bearbeitung des Online-Bogens veranschlagt das Bahnpersonal etwa 20 Minuten. So viel Zeit muss sein, egal ob sich initiativ oder auf ein konkretes Stellenangebot beworben wird.

Auch die Siemens-Jobbörse hat für den Diplomanden (m/w), der die theoretischen Grundlagen einer Schemaevolution im multidimensionalen Datenmodell im Unternehmen erarbeiten möchte, ein mehrseitiges Online-Formular vorbereitet. Und wer die allgemeinen Siemens Datenschutzbestimmungen akzeptiert, darf es sogleich ausfüllen: Name, Anschrift und so weiter.

„Um die Online-Bewerbungsseiten kommt man als Hochschulabsolvent nicht mehr herum“, sagt Armin Trost, Professor für Human Resource Management an der Hochschule Furtwangen und früher selber Leiter des internationalen Recruitings beim Softwarehersteller SAP. „Diese Form der Jobsuche hat aber nur dann Zukunft, wenn es den Unternehmen gelingt, aus der Vielzahl von Online-Bewerbungen die Interessantesten schnell herauszufiltern und zu diesen Bewerbern dann auch persönliche Kontakte aufzubauen“, resümiert Trost.

Das ist vielleicht mit ein Grund, warum sich ein Bewerber auf die Position eines „Regulatory Contact Office Analyst (m/w)“ bei der Deutschen Bank per E-Mail bewerben soll. Klickt dieser auf den vorbereiteten E-Mail-Link, öffnet sich sein E-Mail-Programm (sofern vorhanden und konfiguriert) mit bereits ausgefüllter Adresszeile sowie einer entsprechenden Betreffzeile. Da kann eigentlich nicht mehr soviel schief gehen. Es sei denn, der Absender schreibt unter einem Pseudonym wie „honeybunny78@hotmail.com“. Dann darf man sich eben nicht wundern, wenn die Bank keine oder eine abschlägige Antwort gibt. Forscher der Universität Leipzig haben ermittelt, dass Merkmale von E-Mail-Adressen den ersten Eindruck auf andere Personen maßgeblich beeinflussen. Personen mit einer de-Domäne wurden beispielsweise als gewissenhafter eingeschätzt als Leute mit einer com-Domäne.

Domäne hin oder her, der Lebenslauf sowie weitere Unterlagen sollten am besten in einem einzigen PDF-Dokument versandt werden, rät Professor Trost. Dazu ein kurzes Anschreiben im einfachen Mail-Textformat, das die wesentlichen Punkte des Stellenangebotes zusammenfasst, ergänzt mit einem freundlichen Hinweis auf den Anhang. Dieser sollte keine exotischen Schriftarten beinhalten, sondern möglichst mit Times, Arial oder Helvetica erstellt worden sein. Das erhöht die Chancen, das es beim Personalchef auch genauso aussieht wie auf dem eigenen Rechner.

Professor Trost wiederholt gerade ein Experiment, das vor knapp drei Jahren ein ernüchterndes Ergebnis lieferte. Damals hatten seine Studenten zwei fiktive Super-Bewerber mit exzellenten Zeugnissen und Referenzen in die Bewerbungsformulare von über 100 Unternehmen getextet bzw. per Mail verschickt. Nach durchschnittlich zwölf Tagen lagen in der Regel unpersönlich formulierte Absagen im elektronischen Briefkasten. Und lediglich vier Mal wurden die vermeintlichen Kandidaten überhaupt zu einem Gespräch eingeladen. Ende des Jahres liegen die Ergebnisse der neuen Bewerbungsreihe vor.

Erschienen in der Saarbrücker Zeitung am 20.10.2008

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