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Handyviren: Der Feind hört mit
Spezielle Handy-Viren bedrohen das Innenleben mobiler Telefone

Die technische Entwicklung lässt Handys zum digitalen Alleskönner mutieren. Sehr zur Freude vieler Anwender. Auf der anderen Seite bieten diese Geräte dadurch auch mehr Angriffsmöglichkeiten für Hacker. Aber Panikmache ist unangebracht. Dazu gibt die aktuelle Zahl bösartiger Programme für mobile Telefone mit rund 350 noch keinen Anlass.

Trotzdem mahnt der Sicherheitsfachmann beim Antiviren-Hersteller Mcafee, Toralv Dirro, zur Vorsicht. „Auch wenn die heutige Zahl von Handy-Viren im Vergleich zu den über 200.000 bekannten PC-Viren minimal erscheint, darf man nicht unterschätzen, dass sich Viren über mobile Telefone sehr viel schneller verbreiten können als über Computer“. Weil viele Nutzer gar keinen Schutz auf ihrem Handy implementiert haben, und die Leichtsinnigen unter ihnen gar die obligatorische Abfrage der PIN-Nummer deaktiviert haben.

Jeder Übertragungsweg, an den sich ein Handy oder Smartphone anschließen lässt, kommt als potenzieller Infektionsweg in Frage. So zum Beispiel von Handy zu Handy via SMS (das so genannte SMiShing - Phishing über SMS), oder vom Internet auf das Handy durch den Abruf von Webseiten bzw. durch die Übertragung von E-Mails. Selbst beim Synchronisieren von Kontakt- und Kalenderdaten mit dem eigenen Computer per Bluetooth oder Infrarot-Schnittstelle können Viren ins System eingeschleppt werden.

Für den Firmenchef des russischen Antiviren-Unternehmens Kaspersky Labs, Eugene Kaspersky, erleben Handy-Nutzer „in Sachen Viren momentan die Ruhe vor dem Sturm“. Denn mit den Multimedia tauglichen Telefonen sind die Kunden in der Lage Internetdienste komfortabel zu nutzen. Und mit dem schnellen Schritt ins Netz öffnet man unter Umständen auch die Haustür zum digitalen Innenleben.

„Wer von einem Handy-Virus betroffen ist, wird nicht gleich um sein Gesamtvermögen erleichtert“, erklärt Kaspersky in einem Interview mit dem Onlineportal Xonio.com. Meist koste der Angriff den Betroffenen zwar nur wenige Euro, aber das reicht aus, um sich zu ärgern. Wegen dieser geringen Summe wird kaum jemand eine Anzeige erstatten. Außerdem seien die Erfolgschancen, bei der Polizei wegen ein Paar Euro Schaden überhaupt Aufmerksamkeit zu bekommen, denkbar gering, sagt Kaspersky. Deshalb werden Angriffe auf das Handy auch so selten strafrechtlich verfolgt.

Heute seien überwiegend Geräte mit dem Betriebssystem Symbian von Handy-Viren betroffen, konstatiert der Antiviren-Experte. Der Grund dafür sei aber nicht etwa, dass Symbian ein besonders unsicheres Betriebssystem ist, sondern vielmehr der hohe Marktanteil von Symbian-Geräten reizt zu Attacken. Hacker wollen eben die größtmögliche Wirkung mit ihrem schädlichen Code erzielen.

Dagegen hilft nur ein gutes Antiviren-Programm, das auch regelmäßig mit Updates aktualisiert wird. Es benötigt in der Regel nur wenig Speicher und läuft ständig im Hintergrund. Mcafee-Mann Dirro sieht aber auch die Netzbetreiber in der Pflicht, ihren Datenverkehr sauber zu halten. „Die Unternehmen können bereits in ihren Netzen bösartige Anwendungen oder Inhalte aufspüren, bevor sie die Kunden erreichen und so der Gefahr einer Verbreitung von Viren vorbeugen.“

Und wenn doch einmal etwas durchgeschlüpft ist? Niemals die SMS eines Unbekannten öffnen; erst recht keine MMS ansehen. Die kindliche Neugier kann zum Verhängnis werden. Gleiches gilt auch für Java-Anwendungen: Software oder Spiele nur von seriösen Seiten herunterladen. Besser ist es, sich keine Java-Anwendung von Bekannten andrehen zu lassen. Das Handy sollte nicht unbeaufsichtigt, etwa im Büro auf dem Schreibtisch, herumliegen.

Die WiFi- oder Bluetooth-Funktionen nur aktivieren, wenn sie auch genutzt werden sollen. Ansonsten: Abschalten. Außerdem raten die Experten davon ab, Bluetooth auf Messen oder etwa in vollbesetzten Fußballstadien zu verwenden. Der Feind hört mit!

Für die Saarbrücker Zeitung in 09/07

Links:
(update 18.10.2010)

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