Dolby Surround - George Lucas im Wohnzimmer | Freier Journalist - Berlin - Rüdiger Voßberg

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Redaktion: Multimedia

Fast wie im richtigen Kino
Dolby Surround: Betäubende Bässe für heiße Ohren oder betörende Klänge für den Genießer

Triebwerke kreischen. Plötzlich stürzen hunderte Düsenjets rasant aus den Wolken. Die Piloten feuern wie besessen ihre Projektile auf das feindliche Flugobjekt. Dann schlägt das extraterrestrische Monster gnadenlos zurück. Ein gigantisches Klanginferno lässt Sektgläser in der Vitrine erzittern; und die Katze springt aufgeschreckt von ihrem Stammplatz: So oder ähnlich erlebt sich der Streifen Independence Day im Pantoffelkino mit „Surround-Effekt”, und der gewöhnliche Fernsehabend wird dann zum "Cinema-Event".

Nichts leichter als das. Denn jeder stereotaugliche Fernseher oder Videorecorder empfängt automatisch die sogenannten Dolby Prologic Tonsignale. Sie werden lediglich von den Geräten nicht entschlüsselt. Seit rund 20 Jahren werden weltweit alle Kinoproduktionen im Dolby Prologic Standard aufgenommen. Dieses Format beinhaltet zwei Front-, einen Center- sowie einen Surround-Kanal. Gar Talkshows, Livekonzerte oder Sportveranstaltungen werden in Dolby Prologic übertragen. Auch Leihvideos - sofern in stereo - verfügen über das schlummernde Klangvolumen. Dieses Potential zu erwecken, erledigen Prologic-Receiver.

Sie sind das Herzstück einer Kinoklang- oder Dolby-Surround-Anlage, die auch als herkömmliche HiFi-Receiver funktionieren. Der integrierte Surround-Decoder und drei zusätzliche Verstärkerendstufen bewirken die Tonwiedergabe der Center- sowie Surround-Kanäle. Denn im Vergleich zu einer üblichen HiFi-Anlage mit zwei Hauptlautsprechern werden im Prologic Betrieb außerdem ein Center-Lautsprecher zur Wiedergabe von Tonsignalen aus der Mitte - das sind die Dialoge - und zwei Surround-Lautsprecher benötigt. Letztere dienen für die Übertragung der „diffusen Umweltgeräusche” und sind hinter dem Hörort angebracht.

Einsteigermodelle für Prologic-Receiver gibt es schon ab etwa 600 Mark. Wer auf mehr Klangqualität, Bedienkomfort oder Leistung Wert legt, ist mit Geräten um die 800 Mark gut bedient. Einige Receiver (Technics SA-AX710 oder Onkyo TX-SV444) besitzen zu den üblichen Stereo-Eingängen einen speziellen 6-Kanal-Eingang zum Anschluss eines digitalen Surround-Decoders. Dieser vermag den auf DVDs (Digital Versatile Discs) aufgezeichneten digitalen Mehrkanalton (AC-3) zu decodieren. Im Gegensatz zu Dolby Prologic, bei dem zwei Tonspuren für Surround und Center analog in den beiden Stereospuren verschlüsselt sind, stehen bei Dolby Digital (AC-3) fünf Tonkanäle und ein zusätzlicher Subwooferkanal (Tiefton) zur Verfügung. Leider wird diese enorme Klangfülle bisher nur auf amerikanische DVDs im NTSC-Format gespeichert.

Die vom Receiver entschlüsselten Daten muss das anhängende Lautsprecher-Ensemble nun in ein homogenes Klangbild wandeln. Dabei soll das gesamte Wechselspiel der Tonregie präzise von den Membranen schwingen: ob es der zarte Widerhall eines tropfenden Wasserhahns ist, ein wild schreiender Polizist im römischen Straßenverkehr oder die explodierende Raumstation im science fiction Film. Ein Schalldruck von über 100 Dezibel lässt dann kein Luftmolekül mehr an seinem Ort verharren.

Wenn sich die Tontechniker der amerikanischen Filmindustrie eine markerschütternde Geräuschkulisse zurecht gemixt haben, kommt dieser bei der Berliner Lautsprecherfirma Teufel aus einer schwarzen Batterie von Lautsprechern: zwei Basslautsprecher - den subwoofern - und drei Frontsysteme erzeugen Lautstärken, die mühelos einen Presslufthammer übertönen können. „115 Dezibel und die absolut verzerrungsfrei”, verspricht man bei Teufel. Das fordern auch die strengen amerikanischen Home-THX-Normen, die Teufel als erster deutscher Hersteller für seine Produkte erfüllt. THX ist kein anderes Surround-System, sondern lediglich eine Art Gütesiegel. THX steht für Tomlinson Holmans Experiment, benannt nach dem technischen Direktor der kalifornischen Lucasfilm Ltd, die mit Kinofilmen wie Krieg der Sterne bekannt wurde. Die Boxenkombination Theater 3 aus dem Hause Teufel kostet knapp 5.000 Mark.

Die Firma quadral aus Hannover wirbt mit „raumfüllenden Klang statt raumfüllender Lautsprecher”. Ihr 2-Wege-System Surround 180 - für das kleine Wohnzimmer konzipiert - gibt es um 2.400 Mark. Neben der Preisfrage und den Qualitätsansprüchen ist für das Klangerlebnis im heimischen Sofa auch die räumliche Beschaffenheit sowie die Anordnung der vorhandenen Möbelstücke ein wichtiges Kriterium bei der Kaufentscheidung. So besitzt ein quadratischer Raum ungünstigere Reflexionseigenschaften als ein länglicher. Zieren große Bilder die Wände, oder sind sie kahl? Stehen die Boxen auf dicken Teppichen, oder reflektiert glänzender Parkettboden den Schall? Schnell kann die Euphorie der ersten Hörprobe im Studio einem Hörfrust im Wohnzimmer weichen.

Erstveröffentlichung in der Märkischen Allgemeinen Zeitung am 06.10.1997

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(update 21.02.2003)

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