Mit Bannerblocker gegen Bannerwerbung | Freier Journalist - Berlin - Rüdiger Voßberg

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Und immer fleissig klicken
Bannerblocker: Filter blenden Werbung aus - Werbebranche mit Sorgenfalten

Ohne Anzeigen gäbs den Spiegel garantiert nicht für fünf einhalb Mark jeden Montag neu am Kiosk. Und ohne Werbespots müsste die ARD ihre Rundfunk- und Fernsehgebühren vervielfachen. So ist es eben: Die Werbung finanziert die Inhalte. Auch im Internet. Viele Onlineangebote existierten nicht ohne Werbung. Suchmaschinen zum Beispiel bieten ihre Dienste kostenlos an; dafür muss der Nutzer die bunten Werbe-Banner ertragen. Oder auch nicht.

So wie man die Anzeigen in den Zeitschriften achtlos überblättern kann, oder bei den Werbespots im Fernsehen zum anderen Kanal zappt, können die Werbe-Banner ausgeblendet werden. Und bei vielen Internet-Surfer ist der Bedarf an Werbung reichlich gedeckt, denn immer neue blinkende Animationen verstopfen die Datenautobahn. Sie verschlingen kostbare Ladezeit und verteuern nebenher die Online-Rechnung. Aber gegen diese unerwünschte Anmache aus dem Netz kann man sich wehren.

Die einfachste Methode schlummert in den Browser-Optionen: er wird so konfiguriert, dass Bilder nicht mehr automatisch geladen werden. Leider tappt man danach völlig im dunkeln, da auch notwendige Buttons zur Navigation nicht mehr auf dem Bildschirm erscheinen. Der Zeitgewinn ist flöten, und Texte allein, machen die Internetkost auch nicht gehaltvoller. Banner-Filter oder Banner-Blocker sollen die Werbebotschaften erkennen und ausblenden. Dahinter steckt keine verschworene Magie: Die Filter enthalten umfangreiche Listen von speziellen Mustern, die eine Werbung ausmachen können. Diese Liste kann der Anwender reduzieren oder erweitern.

Um die lästige Werbung von vornherein auszublenden, tüfteln deutsche Programmierer an einen Browser mit integriertem Banner-Filter: iCab heißt die Konkurrenz aus Braunschweig zu Netscapes Navigator oder Microsofts Internet Explorer. Icab.de bietet eine aktuelle Preview-Version an; in der Vollversion soll der Browser knapp 50 Mark kosten. Aber das muss die PC-Anwender nicht sonderlich kratzen, denn iCab bleibt dem erlauchten Kreis von MAC-Freaks vorbehalten. Für den Rest der Computerwelt hat zum Beispiel Siemens einen Banner-Filter auf den digitalen Markt gebracht: den Webwasher. Zwar gibt es Banner-Blocker schon seit Jahren, doch diesmal herrschte regelrecht Aufruhr in der vernetzten Gemeinde. Boykott gegen Siemens! Focus-Online habe ihren Aussperrversuch von Webwasher-Anwendern jetzt aufgegeben, sagt Siemens-Manager Horst Joepen.

Aber es ist eigentlich auch egal, ob die Banner nun ausgeblendet, oder nicht angeklickt werden; es hat den gleichen Effekt: sinkende Klickraten. Und sinkende Klickraten - gleichbedeutend mit niedriger Quote für Fernsehsendungen - lassen die Werbekunden in der Konsequenz abspringen. Aber zu den Bannern sieht der Sprecher des Zentralverbandes der deutschen Werbewirtschaft (ZAW), Thomas Docter, derzeit keine Alternative. Auch einem „Pay-per-View” bei den Internet-Angeboten gibt er im Moment keine Chance, sich durchzusetzen. Darum müsse die Internetwerbung aufgewertet werden, so Docter. „Wenn der Nutzer erkennt, dass hinter den Bannern wertvolle Informationen stecken, wird er vielleicht auf einen Filter verzichten.“ Existenzbedrohend sei die Situation für die Branche noch nicht.

Das deutsche Werbeaufkommen im Internet hat sich 1998 von 25 auf 50 Millionen Mark verdoppelt, und für 1999 rechnet der ZAW gar mit 150 Millionen Mark. Aber im Vergleich zu den Gesamtwerbe-Einnahmen der Medien von rund 38 Milliarden Mark sind das lediglich 0,1 Prozent. Peanuts eben. Darum: Immer fleißig klicken, damit die Peanuts Früchte tragen. Sonst kostet der Online-Spiegel ab Montag auch ein Fünfer Euro!

Erschienen u.a. im Hamburger Abendblatt am 23.07.1999


(update 04.01.2007)

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